Dr. med. G. Marx führte ins Thema ein, indem er die aktuellsten naturwissenschaftlichen Einsichten übers Mikrobiom darlegte. In der Individualität der Darmbesiedelung könnte eine Erklärung fürs funktionelle Bauchweh sein – und daraus ergeben sich interessante Therapieansätze: Probiotica, Präbiotica, Stuhltransplantation. Die bewährte Diagnosesicherung kam ebenso zur Sprache wie die neusten Trends zur Linderung bei Beschwerden durch Intoleranzen von Lactose – Fructose – Gluten.

Dr. med G. Bleul ermunterte zur homöopathischen Behandlung mit einem wahren Feuerwerk an Fallbeispielen, die alle häufig in der Allgemeinpraxis vorkommen. Eine praxistaugliche Zusammenstellung ermöglicht die Behandlung von häufigen akuten Magen-Darm-Krankheiten mit relativ geringem zeitlichem Aufwand. Und auch Patienten mit einer komplexen Anamnese von Abdominalbeschwerden profitieren – sorgfältiges Repertorisieren vorausgesetzt. Mit der kurzgehaltenen eingängigen Materia medica konnte die Mittelwahl gut nachvollzogen werden.

Die beiden Referenten sind Experten in ihrem Fach und geübte Dozenten. Es war ein Genuss, den Ausführungen zu folgen. Die abgegebenen Unterlagen dienen der Wissenserweiterung und sind für den Praxisalltag hilfreich.

An Dr. Marx und an Dr. Bleul auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön!

Entsprechend ungezwungen und kameradschaftlich war die Stimmung.

Infrastruktur und Betreuung durch die Belegschaft des Hotels Adula waren tadellos.

Rundum ein hochkarätiges Seminar!

Aus dem Vortrag von Dr. med. G. Marx:

Nachsorge mögliche Bilder 

 

Typischer Fall aus der Allgemeinpraxis, aus den Fällen von Dr. med. G. Bleul:

13.9.2001 - Spontanbericht: Der 44-jährige Mann war seit Jahren nicht in ärztlicher Behandlung und meldet sich im September 2001 wegen einem lästigen Durchfall in der Sprechstunde. Seit 2 bis 3 Wochen hat er morgens bis zu sieben Mal Stuhlgang, es kommt “nur Flüssigkeit”, es schießt heraus.

Nachfragen: Schmerzen hat er weder vor, noch während, noch nach dem Stuhlgang. Der Drang setzt ein, sobald er morgens etwas isst. Vom späten Vormittag an ist er bis zum nächsten Morgen beschwerdefrei. Der Stuhl ist wässrig und braun, also nicht verfärbt. Die Frage nach früheren Krankheiten, insbesondere Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, wird verneint.

Der Patient ist selbständiger Systemberater. Er macht sich wegen der schlechten Auftragslage zurzeit Sorgen um seine Firma, aber noch größere Sorgen um seine Gesundheit, weil er fürchtet, es könnte eine unheilbare Krankheit sein.

Untersuchungsbefund: Das Abdomen ist weich, ohne Druckschmerz und Resistenzen, auch sonst keine körperlichen Auffälligkeiten. – Der Patient spricht viel und wechselt schnell das Thema, ist nervös und gereizt.

siehe auch: Rektum – Diarrhoe – Unregelmäßigkeiten beim Essen

Die Durchfall-Rubriken für die Modalitäten „nach dem Frühstück“, bzw. „morgens“ oder „nach dem Essen“ sowie die Art des Durchfalls („schmerzlos“, „herausschießend“ bzw. „herausspritzend“) legen schon die Wahl von Podophyllum nahe. Die Gemütsrubriken bezüglich seiner Sorgen[1] und seiner Sprechweise bestätigen das Mittel. Die erst bei der zweiten Konsultation erwähnte Modalität „auf Reisen“ steht in einer Rubrik von Boger („Stool/ Aggr. and Amel./ Travelling“ [1]), die nur Alum., Op. und Plat. enthält, während die Kent’sche Rubrik „Unregelmäßigkeiten beim Essen“ (Indiscretion) auch Podo. aufführt.

Behandlungsverlauf: Am 13.9.2001 Podo. D6, nach Bedarf 3-4x täglich, je 2 Globuli. Nach sechs Wochen (29.10.2001) meldet sich der Patient wegen einer Versicherungs­untersuchung wieder. Er hatte das Mittel nur einige Tage lang eingenommen, dann war der Durchfall weg. Jetzt erwähnt er, dass er ihn immer wieder mal auch auf Kurzreisen hatte; bei den letzten Reisen sei er aber nicht mehr aufgetreten.